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Schiehallion-Experiment
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Das Schiehallion-Experiment war ein Experiment zur Bestimmung der mittleren Massendichte der Erde. Mit finanzieller UnterstĂŒtzung durch die Royal Society wurde es im Sommer des Jahres 1774 in der Gegend des Berges Schiehallion durchgefĂŒhrt. Das Experiment umfasste die Messung der geringfĂŒgigen Lotabweichung im Schwerefeld der Erde aufgrund der gravitativen Anziehung des Berges. Der Schiehallion wurde wegen seiner isolierten Lage und nahezu symmetrischen Form als fĂŒr diese Messung geeignet erachtet. Anstoß fĂŒr das Experiment war unter anderem die Beobachtung von Schwereanomalien bei der Untersuchung der Mason-Dixon-Linie.

Das Experiment wurde zuvor von Isaac Newton als möglicher experimenteller Beweis fĂŒr seine Gravitationstheorie erwogen, jedoch von ihm spĂ€ter wieder verworfen. Dennoch war eine Gruppe von Wissenschaftlern, darunter vor allem der britische Hofastronom Nevil Maskelyne, davon ĂŒberzeugt, dass der Effekt messbar sei, und nahm sich die DurchfĂŒhrung des Versuches vor. Der Ablenkungswinkel hing von den relativen Dichten und Rauminhalten der Erde und des Berges ab: Durch die Bestimmung der Dichte und des Volumens des Schiehallion konnte somit ebenfalls die Dichte der Erde bestimmt werden. Mit der Kenntnis der Dichte der Erde konnten wiederum ungefĂ€hre Werte fĂŒr die Dichten der ĂŒbrigen Planeten, ihrer Monde sowie der Sonne errechnet werden, welche zuvor lediglich in ihren relativen VerhĂ€ltnissen bekannt waren. DarĂŒber hinaus wurde zur Vereinfachung der Vermessung des Berges das Konzept der Isolinie erfunden, welches sich spĂ€ter zu einer Standardmethode der Kartografie entwickelte.

Contents


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Experimentelles Grundprinzip

Ein Lot hĂ€ngt in einem symmetrischen Schwerefeld geradlinig nach unten. Befindet sich jedoch eine genĂŒgend große Masse wie beispielsweise ein Berg in der NĂ€he, wird das Lot durch dessen gravitative Anziehung leicht von der sonst eingenommenen Position abweichen. Die Änderung der Lotrichtung relativ zu einem gegebenen Objekt – beispielsweise einem Stern – wird auf zwei einander gegenĂŒberliegenden Seiten des Berges sorgfĂ€ltig vermessen. Die Masse des Berges wird in einer unabhĂ€ngigen Messung durch die Bestimmung seines Volumens und einer AbschĂ€tzung der mittleren Dichte seines Gesteins ermittelt. Nun können diese Werte verwendet werden, um die Dichte der Erde und damit ihre Masse zu bestimmen.

Isaac Newton zog den Effekt in seinem Werk Philosophiae Naturalis Principia Mathematica in Betrachtcite-ref-davies-1-0[1], ging jedoch davon aus, dass kein real existierender Berg eine Ablenkung erzeugen könnte, die groß genug wĂ€re, um gemessen zu werden.cite-ref-principia-2-0[2] Merkliche Auswirkungen der Schwerkraft hielt er nur auf der planetaren GrĂ¶ĂŸenordnung fĂŒr möglich.cite-ref-principia-2-1[2] Jedoch zeigte sich, dass Newtons Pessimismus unbegrĂŒndet war: Obwohl seine Berechnungen eine Ablenkung von weniger als zwei Bogenminuten ergaben (vorausgesetzt wurde ein idealisierter, drei Meilen hoher Berg), lag dieser sehr kleine Winkel im fĂŒr damalige Instrumente messbaren Bereich.

Ein Versuch zur ÜberprĂŒfung der Idee Newtons konnte folglich sowohl einen Beleg fĂŒr sein Gravitationsgesetz als auch eine AbschĂ€tzung der Masse und Dichte der Erde liefern. Mithilfe der Messwerte konnte darĂŒber hinaus der Wert der newtonschen Gravitationskonstanten ermittelt werden, obwohl dies nicht die ursprĂŒngliche Absicht der Wissenschaftler war, welche den Versuch durchfĂŒhrten. Ein erster Wert fĂŒr die Gravitationskonstante erscheint in der wissenschaftlichen Literatur erst knapp hundert Jahre spĂ€ter.cite-ref-3[3]

Geschichtliche Betrachtungen zur Suche nach geeigneten Bergen

Chimborazo, 1738

Die beiden französischen Astronomen Pierre Bouguer und Charles Marie de La Condamine unternahmen als erste einen Versuch zur DurchfĂŒhrung des Experiments. Sie fĂŒhrten im Jahre 1738 ihre Messungen am 6310 m hohen Vulkan Chimborazo in Ecuador aus. acite-ref-poynting-p50-56-4-0[4] Im Jahre 1735 verließen sie mit ihrer Expedition Frankreich auf dem Weg nach SĂŒdamerika. Eigentliches Ziel war die Vermessung eines Meridianbogens mit einer Ausdehnung von einem Grad in geografischer LĂ€nge in der NĂ€he des Äquators. Sie nutzten jedoch die Gelegenheit, um ebenfalls das Ablenkungsexperiment durchzufĂŒhren. Trotz widriger Bedingungen hinsichtlich des GelĂ€ndes und Klimas fĂŒhrten sie im Dezember des Jahres 1738 zwei Messungen in Höhen von 4680 und 4340 m durch.cite-ref-poynting-1894-5-0[5] Bouguer schrieb in einer Arbeit von 1749, dass sie eine Ablenkung von 8 Bogensekunden messen konnten; jedoch schĂ€tzte er die Aussagekraft ihrer Ergebnisse als gering ein und schlug vor, dass das Experiment unter gĂŒnstigeren Bedingungen in Frankreich oder England wiederholt werden solle.cite-ref-poynting-1894-5-1[5] Er fĂŒgte hinzu, dass der Versuch wenigstens gezeigt habe, dass die Erde nicht hohl sein könne, wie einige Gelehrte jener Zeit vorschlugen, unter ihnen Edmond Halley.cite-ref-poynting-p50-56-4-1[4]

Schiehallion, 1774

Der Hofastronom Nevil Maskelyne regte im Jahr 1772 gegenĂŒber der Royal Society an, dass ein weiterer Versuch gemacht werden sollte.cite-ref-6[6] In seinen Augen wĂŒrde das Experiment derjenigen Nation zu Ehre gerreichen, auf deren Staatsgebiet der Versuch durchgefĂŒhrt werden wĂŒrde. Er schlug daher den Berg Whernside in Yorkshire sowie das Gebirgsmassiv des Blencathra und Skiddaw in Cumberland als geeignete Orte vor. Die Royal Society bildete daraufhin einen Ausschuss, der sich dieser Angelegenheit annehmen sollte, und berief Maskelyne, Joseph Banks sowie Benjamin Franklin als Mitglieder.cite-ref-danson-p115-7-0[7] Der Ausschuss beauftragte dann den Astronomen und Landvermesser Charles Mason b damit, einen passenden Berg zu finden.cite-ref-davies-1-1[1]

Nach einer langwierigen Suche im Sommer des Jahres 1773 erklĂ€rte Mason den 1083 m hohen Berg Schiehallion zum geeignetsten Ort. Dieser liegt zwischen Loch Tay und Loch Rannoch inmitten des schottischen Hochlands.cite-ref-danson-p115-7-1[7] Der Berg liegt abseits von anderen Erhebungen, die seinen gravitativen Einfluss hĂ€tten stören können, und sein symmetrischer BergrĂŒcken in Ost-West-Richtung vereinfachte die Berechnungen. Seine steilen Flanken auf der Nord- und SĂŒdseite ermöglichten es, dass der Versuch in der NĂ€he seines Schwerpunktes ausgefĂŒhrt werden konnte, wodurch der Effekt der Ablenkung vergrĂ¶ĂŸert wurde.

Mason lehnte es jedoch ab, den Versuch fĂŒr das angebotene Entgelt von einem Guinee pro Tag selbst durchzufĂŒhren.cite-ref-danson-p115-7-2[7] Daher fiel die Aufgabe Maskelyne zu, zu deren ErfĂŒllung er von seinen Pflichten als Hofastronom vorĂŒbergehend befreit wurde. Bei seiner Arbeit wurde er durch den Mathematiker und Landvermesser Charles Hutton sowie durch Reuben Burrow, ein Mathematiker des Königlichen Observatoriums von Greenwich, unterstĂŒtzt. Des Weiteren wurden einige Arbeiter angeheuert, die fĂŒr die Astronomen Observatorien bauen und sie bei ihrer Arbeit unterstĂŒtzen sollten. Die Forschergruppe war hervorragend ausgerĂŒstet: Unter ihren astronomischen Messinstrumenten befand sich ein Quadrant aus Messing der Venusexpedition von James Cook von 1769, ein Zenitteleskop sowie eine genau gehende Pendeluhr zur Zeitmessung wĂ€hrend der Beobachtungen.cite-ref-danson-p146-8-0[8] DarĂŒber hinaus wurden ein Theodolit und eine guntersche Kette fĂŒr die Vermessung des Berges angeschafft sowie zwei Luftdruckmesser (Barometer) fĂŒr die Höhenmessung.cite-ref-danson-p146-8-1[8] Die verfĂŒgbaren Geldmittel waren groß, da die Expedition zur Beobachtung des Venusdurchgangs, mit der die Royal Society zur gleichen Zeit von König Georg III. beauftragt wurde, weniger gut finanziert war.cite-ref-davies-1-2[1]

Historische Messungen und Datenverarbeitung

Astronomische Messungen

Auf der Nord- und SĂŒdseite des Berges wurden Observatorien errichtet, zudem eine HĂŒtte als Unterbringung fĂŒr die Wissenschaftler und die AusrĂŒstung.cite-ref-poynting-1894-5-2[5] c Die Arbeiter wohnten hingegen hauptsĂ€chlich in einfachen Zelten. Zuerst wurden Maskelynes astronomische Messungen durchgefĂŒhrt. Er musste die Poldistanz im Vergleich zur Lotrichtung fĂŒr verschiedene Sterne zu der genauen Zeit vermessen, zu der sie in SĂŒdrichtung standen.cite-ref-countingthoughts-9-0[9]cite-ref-poynting-p56-59-10-0[10] Die Witterungsbedingungen waren aufgrund von Nebel und Regen hĂ€ufig ungĂŒnstig. Dennoch konnte er vom sĂŒdlichen Observatorium aus 76 Messungen an 34 Sternen in einer der beiden Richtungen sowie 93 an 39 Sternen in der anderen durchfĂŒhren. Auf der Nordseite fĂŒhrte er 68 Beobachtungen an 32 Sternen beziehungsweise 100 an 37 Sternen durch.cite-ref-poynting-1894-5-3[5] Indem er die bewegliche Achse des Zenitteleskops abwechselnd nach Osten und Westen richtete, konnte er systematische Abweichungen durch etwaige Kollimationsfehler erfolgreich vermeiden.cite-ref-davies-1-3[1]

Um die durch den Berg entstehende Ablenkung zu bestimmen, war es notwendig, auch die KrĂŒmmung der ErdoberflĂ€che miteinzubeziehen: FĂŒr den Beobachter Ă€ndert sich der lokale Zenit wie der Breitengrad, auf dem er sich befindet. Nachdem er weitere Effekte wie PrĂ€zession, Aberration und Nutation berĂŒcksichtigt hatte, zeigte Maskelyne, dass die Differenz zwischen dem lokal bestimmten Zenit bei der Beobachtung nördlich und sĂŒdlich des Schiehallion 54,6 Bogensekunden betrug.cite-ref-poynting-1894-5-4[5] Bei der Land-Vermessung ergab sich fĂŒr die zwei Beobachtungsstationen eine Differenz von 42,94 Bogensekunden im Breitengrad, sodass er als Summe der Ablenkungen sĂŒdlich und nördlich einen Winkel von 11,6 Bogensekunden vermeldete.cite-ref-poynting-1894-5-5[5]cite-ref-maskelyne-results-11-0[11]

Seine ersten Ergebnisse veröffentlichte Maskelyne in den Philosophical Transactions of the Royal Society des Jahres 1775,cite-ref-maskelyne-results-11-1[11] wobei er fĂŒr die Form des Berges und damit fĂŒr seinen Schwerpunkt vorlĂ€ufige Daten verwendete. Er folgerte, dass eine Ablenkung von 20,9 Bogensekunden zu erwarten sei, falls die mittleren Dichten des Schiehallion und der Erde gleich wĂ€ren.cite-ref-text-book-12-0[12] Da die tatsĂ€chliche Ablenkung ungefĂ€hr der HĂ€lfte dieses Wertes entsprach, konnte er die mittlere Dichte der Erde zu ungefĂ€hr dem doppelten Wert von jener des Schiehallion abschĂ€tzen. Ein genauerer Wert konnte erst nach Abschluss der Vermessungs-Arbeiten am Berg bestimmt werden.cite-ref-maskelyne-results-11-2[11]

Maskelyne wies darauf hin, dass das Experiment eindeutig gezeigt habe, dass vom Schiehallion eine gravitative Anziehung ausgehe und dies fĂŒr alle Berge gelten mĂŒsse. Newtons Gravitationsgesetz sei damit bestĂ€tigt worden.cite-ref-maskelyne-results-11-3[11]cite-ref-mackenzie-13-0[13] Als Anerkennung fĂŒr seine Verdienste verlieh die Royal Society Maskelyne im Jahr 1775 die Copley-Medaille. Sein Biograph Alexander Chalmers schrieb spĂ€ter, dass falls noch irgendwelche Zweifel an der Wahrheit des newtonschen Systems bestanden haben, diese nun vollstĂ€ndig ausgerĂ€umt seien.cite-ref-14[14]

Landvermessung

Die Arbeit der Landvermesser wurde durch das ungĂŒnstige Wetter stark behindert, weshalb die Arbeiten erst im Jahr 1776 abgeschlossen werden konnten.cite-ref-text-book-12-1[12] Um den Rauminhalt des Berges ermitteln zu können, musste er in eine Reihe von Prismen zerlegt und das Volumen jedes Prismas bestimmt werden. Die Triangulation, welche von Charles Hutton ausgefĂŒhrt wurde, war mit einem hohen Aufwand verbunden: Die Landvermesser hatten tausende Peilungen an ĂŒber tausend Messpunkten um den Berg herum vorgenommen.cite-ref-danson-p153-154-15-0[15] Um seine Daten effizient verarbeiten zu können, kam er auf die Idee, Linien in bestimmten Intervallen zwischen seinen Messwerten zu interpolieren, wobei er jeweils Messpunkte auf gleicher Höhe verwendete. Dadurch konnte er nicht nur auf einfache Weise die Höhe der Prismen bestimmen, vielmehr konnte man durch die verschiedenen Linien auf Anhieb einen Eindruck von der Form des GelĂ€ndes gewinnen. Hutton hatte damit die Isolinien erfunden, welche seither bei kartografischen Reliefdarstellungen hĂ€ufig verwendet werden.cite-ref-poynting-1894-5-6[5]cite-ref-danson-p153-154-15-1[15] d

| Himmels- körper | Dichte (kg·m −3 ) | Dichte (kg·m −3 ) |
|---|---|---|
| Himmels- körper | Hutton (1778) [ 16 ] | heutiger Wert [ 17 ] |
| Sonne | 1100 | 1408 |
| Merkur | 9200 | 5427 |
| Venus | 5800 | 5204 |
| Erde | 4500 | 5515 |
| Mond | 3100 | 3340 |
| Mars | 3300 | 3934 |
| Jupiter | 1100 | 1326 |
| Saturn | 410 | 687 |

Hutton musste die Anziehungskraft bestimmen, die von jedem einzelnen der vielen Prismen ausging – eine Arbeit, die nahezu so mĂŒhselig wie die Vermessung des Berges selbst war. FĂŒr diese Arbeit benötigte er zwei Jahre, bis er schließlich im Jahr 1778 in einem hundertseitigen Aufsatz gegenĂŒber der Royal Society seine Ergebnisse vorstellen konnte.cite-ref-hutton-16-1[16] Nach seinen Berechnungen mĂŒsste die Anziehung des Lotes durch die Erde 9933 mal so stark wie die Anziehung durch den Berg an den jeweiligen Beobachtungsstationen sein, falls die Dichte der Erde und des Schiehallion gleich wĂ€ren.cite-ref-danson-p153-154-15-2[15] Aus der gemessenen Ablenkung von 11,6 Bogensekunden folgte unter BerĂŒcksichtigung der Auswirkung des Breitengrades auf die Schwerkraft ein VerhĂ€ltnis der AnziehungskrĂ€fte von 17.804:1. Die mittlere Dichte der Erde ist demnach 17.804 9.933 {\displaystyle {\tfrac {17.804}{9.933}}} oder etwa 9 5 {\displaystyle {\tfrac {9}{5}}} mal so hoch wie die des Berges.cite-ref-text-book-12-2[12]cite-ref-danson-p153-154-15-3[15]cite-ref-hutton-16-2[16] Durch den langwierigen Vermessungsprozess des Berges verĂ€nderten sich die Werte in Maskelynes Berechnungen also nur geringfĂŒgig. Hutton nahm fĂŒr die Dichte des Schiehallion den Wert 2500 kg·m−3 an und gab die Dichte der Erde zu 9 5 {\displaystyle {\tfrac {9}{5}}} davon, also zu 4500 kg·m−3 an.cite-ref-danson-p153-154-15-4[15] Im Vergleich mit dem heute allgemein anerkannten Wert der Erddichte von 5515 kg·m−3cite-ref-nasa-17-1[17] betrug der Fehler weniger als 20 %.

Dass die mittlere Dichte der Erde so deutlich ĂŒber jener des Gesteins auf ihrer OberflĂ€che liegen sollte, bedeutete gleichzeitig, dass das Material tiefer im Erdinneren einiges dichter sein musste. Hutton mutmaßte richtigerweise, dass das Material im Erdkern wahrscheinlich metallisch sei und eine Dichte von rund 10.000 kg·m−3 haben könnte.cite-ref-danson-p153-154-15-5[15] Er schĂ€tzte, dass der metallische Anteil rund 65 % des Erddurchmessers einnimmt.cite-ref-hutton-16-3[16]

Folgeexperimente

Siehe auch

:

Gravitationswaage

Henry Cavendish wendete 24 Jahre nach dem Schiehallion-Experiment eine direktere und genauere Methode an, um die mittlere Dichte der Erde zu messen. Im Jahr 1798 verwendete er eine Ă€ußerst empfindliche Gravitationswaage, um die Anziehung zwischen zwei Bleimassen zu bestimmen. Der von Cavendish bestimmte Wert 5448 kg·m−3 lag lediglich 1,2 % entfernt vom heute anerkannten Wert 5515 kg·m−3 und sein Ergebnis wurde erst deutlich spĂ€ter, im Jahre 1895, durch Charles Boys maßgeblich verbessert. e Das Experiment der Gravitationswaage wird daher Cavendish zu Ehren auch als Cavendish-Experiment bezeichnet.cite-ref-18[18]

John Playfair unternahm im Jahr 1811 eine weitere Vermessung des Schiehallions; hinsichtlich der Gesteinsschichten kam er zu neuen Ergebnissen und ermittelte fĂŒr die Erde eine Dichte von 4560 bis 4870 kg·m−3,cite-ref-ranalli-19-0[19] woraufhin Hutton jedoch seinen Wert in einer Arbeit von 1821 gegenĂŒber der Royal Society verteidigte.cite-ref-20[20] In den von Playfair angestellten Berechnungen kam der Wert der Dichte nĂ€her an den heutigen Wert heran, jedoch war er nach wie vor zu niedrig und erheblich schlechter als jener von Cavendish einige Jahre zuvor bestimmte.

Ein zum Schiehallion-Experiment vergleichbares Experiment wurde im Jahr 1856 von Henry James durchgefĂŒhrt, dem Generaldirektor der Landesvermessungs-Behörde Großbritanniens (Ordnance Survey). Dieses Experiment fand an Arthur’s Seat in Edinburgh statt.cite-ref-poynting-1894-5-7[5]cite-ref-poynting-p56-59-10-1[10]cite-ref-21[21] Mithilfe der von der Ordnance Survey bereitgestellten Mittel konnte James seine Landvermessung bis zu einem Radius von 21 km um den Berg herum ausweiten. Er erhielt fĂŒr die Dichte der Erde einen Wert von etwa 5300 kg·m−3.cite-ref-text-book-12-3[12]

In einem Experiment aus dem Jahr 2005 wurde eine abgewandelte Form des Experiments von 1774 angewendet: Anstatt Differenzen im lokalen Zenit zu bestimmen, wurden die Schwingungsdauern eines Pendels auf dem Schiehallion und an seinem Fuße sehr genau miteinander verglichen. Die Schwingungsdauer eines Pendels hĂ€ngt von der Schwerkraft ab, also der lokalen Gravitationsbeschleunigung. Man erwartet, dass das Pendel in der höheren Position langsamer schwingt, wobei die Masse des Berges diesen Effekt jedoch verringert. Diese Form des Versuchs hat den Vorteil, dass sie erheblich einfacher in der DurchfĂŒhrung ist als jene aus dem Jahr 1774. Um jedoch die gewĂŒnschte Messgenauigkeit zu erreichen, muss die Schwingungsdauer des Pendels hierbei mit einer relativen Genauigkeit von einem Millionstel gemessen werden.cite-ref-countingthoughts-9-1[9] Dieser Versuch lieferte 8,1 ± 2,4 · 1024 kg als Wert fĂŒr die Erdmasse,cite-ref-22[22] was einer mittleren Dichte von 7500 ± 1900 kg·m−3 entspricht. f

Eine moderne Untersuchung der geophysikalischen Daten machte es möglich, neue Einflussfaktoren in die Betrachtung miteinzubeziehen, die im Jahr 1774 nicht berĂŒcksichtigt werden konnten. Mithilfe eines digitalen Höhenmodells der Umgebung in einem Umkreis von 120 km, vielen neuen Erkenntnissen zur Geologie des Schiehallion und nicht zuletzt mithilfe eines Digitalrechners konnte im Jahr 2007 auf diese Weise eine mittlere Erddichte von 5480 ± 250 kg·m−3 berechnet werden.cite-ref-smallwood-23-0[23] Dieser Wert kann insbesondere im Vergleich mit dem modernen Wert von 5515 kg·m−3 als Beleg fĂŒr die große Genauigkeit von Maskelynes astronomischen Beobachtungen angesehen werden.cite-ref-smallwood-23-1[23]

Mathematisches Verfahren der Berechnung

Betrachten Sie hierzu bitte die schematische Darstellung der einzelnen KrĂ€fte auf der rechten Seite. Das Problem wurde dahingehend vereinfacht, dass die Anziehung lediglich auf einer Seite des Berges betrachtet wird.cite-ref-ranalli-19-1[19] Ein Lot der Masse m {\displaystyle \textstyle m} befindet sich in einer Entfernung d {\displaystyle \textstyle d} des Schwerpunkts P {\displaystyle \textstyle P} eines Berges der Masse M B {\displaystyle \textstyle M_{\mathrm {B} }} beziehungsweise der Dichte ρ ρ B {\displaystyle \textstyle \rho _{\mathrm {B} }} . Es wird aufgrund der Anziehungskraft F {\displaystyle \textstyle F} um den kleinen Winkel Ξ Ξ {\displaystyle \textstyle \theta } in Richtung P {\displaystyle \textstyle P} abgelenkt, die Gewichtskraft W {\displaystyle \textstyle W} zeigt in die Richtung der Erde. Durch die vektorielle Summe von W {\displaystyle \textstyle W} und F {\displaystyle \textstyle F} entsteht in der Schnur des Lotes eine Zugspannung T {\displaystyle \textstyle T} . Die Erde besitze die Masse M E {\displaystyle \textstyle M_{\mathrm {E} }} , den Radius r E {\displaystyle \textstyle r_{\mathrm {E} }} sowie die Dichte ρ ρ E {\displaystyle \textstyle \rho _{\mathrm {E} }} .

Die beiden auf das Lot wirkenden GravitationskrÀfte sind durch das newtonsche Gravitationsgesetz gegeben:

F = G m M B d 2 , W = G m M E r E 2 . {\displaystyle F={\frac {GmM_{B}}{d^{2}}},\quad W={\frac {GmM_{E}}{r_{E}^{2}}}.}

Hierbei bezeichne G {\displaystyle \textstyle G} die newtonsche Gravitationskonstante. Durch das Betrachten des VerhÀltnisses von F {\displaystyle \textstyle F} zu W {\displaystyle \textstyle W} können G {\displaystyle \textstyle G} und m {\displaystyle \textstyle m} aus der Rechnung eliminiert werden:

F W = ( G m M B ) / d 2 ( G m M E ) / r E 2 = M B M E ( r E d ) 2 = ρ ρ B ρ ρ E V B V E ( r E d ) 2 {\displaystyle {\frac {F}{W}}={\frac {(GmM_{B})/d^{2}}{(GmM_{E})/r_{E}^{2}}}={\frac {M_{B}}{M_{E}}}{\left({\frac {r_{E}}{d}}\right)}^{2}={\frac {\rho _{B}}{\rho _{E}}}{\frac {V_{B}}{V_{E}}}{\left({\frac {r_{E}}{d}}\right)}^{2}}

Dabei sind V B {\displaystyle \textstyle V_{\mathrm {B} }} und V E {\displaystyle \textstyle V_{\mathrm {E} }} die Rauminhalte des Berges und der Erde. Im Gleichgewichtszustand stehen die vertikalen und horizontalen Komponenten der Zugspannung T {\displaystyle \textstyle T} in der Schnur gerade durch die SchwerkrÀfte mit dem Ablenkungswinkel Ξ Ξ {\displaystyle \textstyle \theta } in Beziehung:

W = T cos ⁥ ⁥ Ξ Ξ , F = T sin ⁥ ⁥ Ξ Ξ . {\displaystyle W=T\cos \theta ,\quad F=T\sin \theta .}

Ersetzt man nun T {\displaystyle \textstyle T} , erhÀlt man:

tan ⁥ ⁥ Ξ Ξ = F W = ρ ρ B ρ ρ E V B V E ( r E d ) 2 . {\displaystyle \tan \theta ={\frac {F}{W}}={\frac {\rho _{B}}{\rho _{E}}}{\frac {V_{B}}{V_{E}}}{\left({\frac {r_{E}}{d}}\right)}^{2}.}

Da V E {\displaystyle \textstyle V_{\mathrm {E} }} , V B {\displaystyle \textstyle V_{\mathrm {B} }} , d {\displaystyle \textstyle d} sowie r E {\displaystyle \textstyle r_{\mathrm {E} }} bekannt sind und Ξ Ξ {\displaystyle \textstyle \theta } und d {\displaystyle \textstyle d} gemessen wurden, kann ein Wert fĂŒr das VerhĂ€ltnis ρ ρ E : ρ ρ B {\displaystyle \textstyle \rho _{\mathrm {E} }:\rho _{\mathrm {B} }} berechnet werden:cite-ref-ranalli-19-2[19]

ρ ρ E ρ ρ B = V B V E ( r E d ) 2 1 tan ⁥ ⁥ Ξ Ξ . {\displaystyle {\frac {\rho _{E}}{\rho _{B}}}={\frac {V_{B}}{V_{E}}}{\left({\frac {r_{E}}{d}}\right)}^{2}{\frac {1}{\tan \theta }}.}

Anmerkungen

Zu jener Zeit gehörte das Gebiet zum

Vizekönigreich Peru

. Zeitgenössische Quellen sprechen daher von einer 'peruanischen Expedition'.

Mason hatte zuvor gemeinsam mit

Jeremiah Dixon

den Verlauf der Mason-Dixon-Linie bestimmt, die als Grenze zwischen Nord- und SĂŒdstaaten der USA verwendet wurde.

Von diesen Bauten können heute noch Überreste an den BerghĂ€ngen gefunden werden.

Man könnte dies auch als eine Wiederentdeckung bezeichnen:

Edmond Halley

hatte bereits im Jahr 1701 Linien gleicher

Ortsmissweisung

eingefĂŒhrt, Nicholas Cruquius verwendete im Jahr 1727 Linien gleicher

Meerestiefe

.

In Cavendishs Arbeit erscheint der Wert 5448 kg·m

. Jedoch hatte er einen Rechenfehler gemacht: Seine Messungen ergeben eigentlich den Wert 5480 kg·m

. Dieser Fehler fiel

Francis Baily

erst im Jahr 1821 auf.

FĂŒr das Volumen der Erde wird hierbei der Wert 1,0832·10

km

verwendet.

Einzelnachweise

cite-note-davies-11. ↑ R. D. Davies: A Commemoration of Maskelyne at Schiehallion. In: Quarterly Journal of the Royal Astronomical Society. Band 26, Nr. 3, 1985, S. 289–294, bibcode:1985QJRAS..26..289D.
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cite-note-2222. ↑ The "Weigh the World" Challenge Results. countingthoughts, archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 3. MĂ€rz 2016; abgerufen am 28. Dezember 2008. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemĂ€ĂŸ Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.countingthoughts.com
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56.667777777778-4.0977777777778coordinatesKoordinaten: 56° 40â€Č 4″ N, 4° 5â€Č 52″ W